Keine Toleranz für Intoleranz

Vortrag mit Bundespräsident a. D. Joachim Gauck

Joachim Gauck war jahrzehntelang in Deutschland ein politisches Schwergewicht – nicht nur in seiner Funktion als Bundespräsident. Auf Einladung des „Katholischen Sonntagsblattes“ kommt Gauck am 21. September zu einem Vortragsabend nach Südtirol. Der große Demokrat spricht dabei über ein wichtiges Thema unserer Zeit: die Toleranz.

Joachim Gauck hat sich eingehend mit dem Thema Toleranz befasst und sich in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Helga Hirsch in einem Buch damit auseinandergesetzt: „Toleranz: Einfach schwer“ ist im vergangenen Jahr im Herder-Verlag erschienen.
Aus der entschiedenen Überzeugung heraus, dass die Gesellschaft eine deutlichere und bewusstere Debatte über Toleranz benötigt, spürt Joachim Gauck in seinem Buch vielen Fragen nach: Was macht Toleranz aus und was macht sie notwendig? Warum ist Intoleranz heute so populär und attraktiv? Wie viel Andersartigkeit muss man erdulden und wie viel Kritik aushalten? Welche gemeinsamen Regeln müssen bei aller Verschiedenheit gelten?
Kämpferische Toleranz
In seinem Buch tritt Joachim Gauck für eine kämpferische Toleranz ein: „Ich war und bin bis heute der Meinung, dass es kein Laisser-faire geben darf gegenüber jenen, die Pluralität und Toleranz mit Füßen treten. Toleranz, die Nachsicht und Duldsamkeit preist gegenüber den Verächtern der Toleranz, hilft den Tätern und nicht den Opfern. Intoleranz gegenüber einer Intoleranz, die Menschen unterdrückt und verachtet, ist eine Haltung von Demokraten im Namen der Menschenwürde.“
Eigene Identität
Toleranz ist für Gauck somit nicht Gleichgültigkeit, sondern ermöglicht ein friedliches Zusammenleben in unserer pluralistischen Gesellschaft. Sie lehrt uns, zu dulden, auszuhalten, zu respektieren, was wir nicht oder nicht vollständig gutheißen. Dazu müsse man sich, und auch davon ist der ehemalige Politiker überzeugt, seiner eigenen Identität aber sicher sein. Denn nur, wer weiß, wer er ist, geht selbstbewusst in einen Dialog oder auch Wettstreit mit anderen. Gauck ruft zudem dazu auf, die Toleranz zu wahren, zu schützen und aufzubauen – damit die Demokratie eine Zukunft hat.
Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock in der ehemaligen DDR geboren. Er studierte Theologie und arbeitete viele Jahre als Pastor in Mecklenburg. 1989 war er Mitinitiator des kirchlichen und öffentlichen Widerstands gegen die Diktatur der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Ab März 1990 war er Abgeordneter für das Bündnis 90 in der zum ersten Mal frei gewählten Volkskammer. Von 1990 bis 2000 wirkte er als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR.
Elfter Bundespräsident
Im Jahre 2012 wurde er zum elften Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Gauck hatte dieses Amt bis 2017 inne.

 

Vortrag am 21. September
Karten nur im Vorverkauf

Der vom „Katholischen Sonntagsblatt“ in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Kulturinstitut veranstaltete Vortrag mit Joachim Gauck findet am Montag, 21. September, um 20 Uhr im Bozner Waltherhaus statt. Moderiert wird der Abend von Rudi Gamper. Karten sind nur im Vorverkauf beim Südtiroler Kulturinstitut unter Tel. 0471 313800 erhältlich. Der Eintritt kostet 14 Euro, Studierende unter 26 Jahren zahlen 8 Euro. Der Zugang zum Vortrag ist aufgrund der geltenden Sicherheitsbestimmungen nur mit Mund-Nasen-Schutz möglich.